07.02.2003 - 31.03.2003
DOPPELAUSSTELLUNG IM CARITASKRANKENHAUS BAD MERGENTHEIM UND IN DER FABRIKGALERIE

Prof. Adam Lude Döring - bedeutendster figurativer Künstler in unserer Zeit “Menschenbilder”

Februar – März 2003 (Doppelseite)

ADAM LUDE DÖRING (* 1925, † 2018) // „Ein Denkspieler mit dem Zeichenstift“ wurde er genannt, ein „Artist der linearen Figur“, der Nachdenkliches und Ironisches in seinen Bildern vereine. Das Werk von Adam Lude Döring gehört zu den Höhepunkten zeitgenössischer figurativer Kunst in Deutschland. Eine Begegnung mit dieser Kunst und mit der Künstlerpersönlichkeit wurde im Februar 2003 möglich, durch eine Doppelausstellung in der FabrikGalerie und im Caritas-Krankenhaus. Die Vernissage für beide Ausstellungen fand in Bad Mergentheim statt, bei großem Andrang und im Beisein eines Künstlers, der bereitwillig seine Herangehensweise an die Kunst erläuterte. „Ich arbeite von innen heraus. Wenn ich formal arbeite, werde ich schlecht“, sagte Adam Lude Döring zum Beispiel – und manchen mag dies erstaunt haben. Denn gerade die formale Ordnung, die Untergliederung der Bildfläche in jeweils hundert gleichmäßige Quadrate, kennzeichnet die bekannten Hundertfeldkompositionen des Künstlers. Aber in Adam Lude Dörings Arbeiten geht aus der Geometrie die Poesie hervor. Innerhalb des quadratischen Rasters agierte er spontan und intuitiv mit Bleistift, Buntstift und Aquarellfarben. In einem freien Spiel der Linienführung und Farbgebung entstanden die Leitmotive seiner Kunst: Figuren und Figurenfragmente, Hände und Gelenke, Köpfe, Gesichter mit ausgeprägtem Kinn und vollen Lippen. Diese Elemente verschränken sich zu Szenen, oft aus Adam Lude Dörings favorisierten Themenbereichen: Ballett, Tanz oder Sport.

Etwa 50 Arbeiten aus zwei Jahrzehnten hatte Adam Lude Döring für die Doppelausstellung ausgewählt. Der Titel der Werkschau – „Menschenbilder“ – kann als Überschrift seines Gesamtwerks gelten. Denn stets stand der Mensch im Zentrum seiner künstlerischen Arbeit. Für sein Festhalten an der figurativen Darstellung musste er vor allem in den 1960er Jahren, als die Abstraktion den Zeitgeist bestimmte, Kritik einstecken. Andererseits knüpfte er in dieser Zeit erste Kontakte zu wichtigen Sammlern. Fortan konnte sich Adam Lude Döring, der sich bis dahin vor allem durch Auftragsarbeiten als freier Grafiker finanziert hatte, auf die bildende Kunst konzentrieren.

Geboren und aufgewachsen ist Adam Lude Döring in Dresden. Nach einer Lehre bei der Reichspost wurde er 1942 in den Kriegsdienst eingezogen. Die Stationen nach dem Krieg und der Flucht in den Westen waren vielfältig: Holzfäller, Hilfsschreiner, Titanweiß-Hersteller bei der IG Farben in Köln. 1950 übersiedelte er nach Stuttgart und ließ sich an der Waldorfakademie zum Werklehrer ausbilden. Es folgten einige Semester an der Kunstschule des Architekten und Reformpädagogen Albrecht Leo Merz und ein zunehmend konsequenterer Weg als freischaffender Künstler. 1989 wurde Adam Lude Döring durch den damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth zum Professor ernannt. 40 Jahre hatte der Künstler sein Atelier in Sachsenheim im Landkreis Ludwigsburg, wo er bis ins hohe Alter produktiv war.