Truchet No. 1 © Christiane Kaufmann

11. Februar bis 30. März 2026
STILLE GEOMETRIE

Christiane Kaufmann

FEBRUAR – MÄRZ 2026

CHRISTIANE KAUFMANN // Stille Geometrie

Die Ausstellung ›Stille Geometrie‹ in der LAUDA FabrikGalerie präsentiert vom 11. Februar bis 30. März 2026 aktuelle Arbeiten aus Christiane Kaufmanns Serie ›Hommage to Truchet‹. Im Zentrum dieser Werkgruppe steht die künstlerische Auseinandersetzung mit dem mathematischen Prinzip der Truchet-Fliesen, das der französische Dominikanerpater und Mathematiker Sébastien Truchet bereits 1704 erforschte. Diese geometrischen Elemente – quadratische Fliesen, die entlang ihrer Diagonale geteilt sind und zwei verschiedenfarbige Dreiecke enthalten – bilden die konzeptionelle Grundlage für Kaufmanns zeichnerische Erkundungen.

Die Künstlerin entwickelt dieses mathematische Prinzip konsequent weiter und schafft durch die stete Wiederholung handgezogener, gerader Linien aus einem Punkt heraus geometrische Ordnungen von bemerkenswerter Komplexität. Ihre Arbeiten bewegen sich dabei bewusst im Grenzbereich zwischen Zeichnung und Malerei. Durch fächerartige Linienstrukturen entstehen geometrische Flächen – häufig aufrecht stehende Rauten und Dreiecke –, durch die das darunterliegende Papier oder Untermalungen hindurchscheinen. Die einzelnen Formen sind so angeordnet, dass sie optische Illusionen erzeugen, die von in sich ruhenden Ordnungen bis zu gegenläufigen Bewegungsmomenten reichen.

Christiane Kaufmanns Arbeiten basieren auf mathematisch konstruierten Formen und stehen der Konkreten Kunst nahe. Jedoch bricht sie deren rigorose Eliminierung menschlicher Schaffensspuren gezielt auf, da durch die mit freier Hand gezogene Linienführung minimale Variationen im Gefüge entstehen. Jede der handgezogenen Linien ähnelt der vorangegangenen, ist jedoch niemals eine perfekte Kopie. So wird der konkret-konstruktiven Ordnung eine menschliche Variation eingeschrieben, die den Arbeiten ihre besondere Präsenz und vibrierende Lebendigkeit verleiht. Diese paradoxe Qualität – die Vereinigung von geometrischer Strenge und menschlicher Imperfektion – macht die Einzigartigkeit ihrer künstlerischen Position aus.

Die Farbwahl unterstreicht die konzeptionelle Ausrichtung der Werke. Vorwiegend in Blau- und Grüntönen gehalten, verkörpern die Arbeiten für Christiane Kaufmann spezifische emotionale und intellektuelle Qualitäten. Blau ist für sie die Farbe der Stille, der Konzentration und des Denkens. Ähnlich wie die Blautöne, die an die Unendlichkeit und Transzendenz des Himmels erinnern, trägt auch die Gesamtordnung der einzelnen Truchet-Elemente eine Offenheit in sich, die je nach Perspektive und Richtungswechsel immer neu wahrgenommen werden kann. Die Farbe Grün hingegen trägt für die Zeichnerin eine Geborgenheit in sich, die ein gegenläufiges Zusammenspiel mit den blauen Farbtönen ergibt. Die fächerartigen Linienstrukturen unterstützen das optische Illusionsgefüge und verstärken die Wirkung von Bewegung und Tiefe.