
Spurensuche © Evelin Neukirchen (links) | Aufgeschreckt © Mechthild Hart (rechts)
Mechthild Hart und Evelin Neukirchen
AUGUST – SEPTEMBER 2026
MECHTHILD HART UND EVELIN NEUKIRCHEN // Alles im grünen Bereich?
Unter dem doppeldeutigen Titel ›Alles im grünen Bereich?‹ zeigen Mechthild Hart und Evelin Neukirchen in der LAUDA FabrikGalerie eine gemeinsame Schau mit Malerei, Zeichnung und installativen Arbeiten. Die titelgebende Frage zielt sowohl auf den persönlichen inneren Zustand des Einzelnen als auch auf die Verwundbarkeit ökologischer und geopolitischer Systeme. Beide Künstlerinnen bearbeiten dieses Spannungsfeld aus unterschiedlichen, einander ergänzenden Perspektiven, ohne eine abschließende Antwort zu formulieren.
Mechthild Hart bewegt sich in ihrer Malerei und Zeichnung konsequent zwischen Figürlichkeit und Abstraktion. Im Mittelpunkt ihres Schaffens steht das Thema ›Dazwischen‹: Übergänge, Zwischenräume und Leerräume bilden den konzeptionellen Kern ihrer reduzierten, linienbetonten Arbeiten. Sie folgt einem fortlaufenden Prozess, in dem Konkretes zurücktritt und sich nach mehrfachem Verwerfen und Hinzufügen eine neue Ordnung zeigt. Ihre Zeichnungen entstehen im Dialog mit der Natur, in der Kraft des Augenblicks – als Momentaufnahmen, reduziert auf eine kraftvolle Linie, mal zart, mal verwundet, mal wütend. Die natürlichen Rhythmen von Ruhen, Wachsen, Erblühen und Vergehen, deren Verlust sie thematisiert, werden in ihren Arbeiten zu Antrieb und Ausdruck zugleich.
Evelin Neukirchen präsentiert großformatige Acrylarbeiten, in denen sie zusätzlich Sande und Zeichenkohle einsetzt. Sie baut ihre Bilder in mehreren Schichten auf: Teile werden übermalt, frühere Stadien bleiben sichtbar und erzeugen Tiefe. Linien fungieren als Netzwerk und Verbindung, das den Bildern Struktur verleiht. Bevorzugte Motive sind Bäume und Wälder – vereinzelt oder im Verbund –, in jüngster Zeit zunehmend der Schatten als eigenständiges Objekt. Losgelöst vom Schattengeber wird er ihr zur Metapher für Bedrohung und Unsicherheit, der sie mit kräftigen Farben und markanten Pinselstrichen begegnet. »Balance zu halten, resilient zu werden und Verantwortung zu zeigen, ist der Grundgedanke meiner Arbeiten«, fasst die Künstlerin ihre Haltung zusammen. Der Kampf zwischen Grün und Braunrot, zwischen Farbigkeit und Schwärze, wird unmittelbar auf der Leinwand ausgetragen.
In der Zusammenschau eröffnen die beiden Werkgruppen einen Dialog zwischen verdichteter Farbflächigkeit und reduzierter Linie, zwischen üppigem Bildraum und ausgesparter Leere. Das Symbol des Grünen verweist auf Wachstum, Hoffnung und Regeneration – und zugleich auf seine Gefährdung. Die Frage des Ausstellungstitels bleibt bewusst offen und lädt das Publikum ein, sich anhand der Arbeiten auf eine eigene Auseinandersetzung einzulassen.